Reiche stiften und spenden

Auf den ersten Blick sympathische, bei näherer Betrachtung zynische Berichte tauchen immer häufiger in den Medien auf: Reiche und Ultrareiche stiften oder spenden große Teile ihres Vermögens für soziale Zwecke. Da die Unterstützung sozialer Zwecke löblich ist, wieso soll dann diese um sich greifende Flut von Wohltaten zynisch sein?

Zunächst ist völlig offen, ob der derzeitigen Flut von Ankündigungen karitativer Großspenden bzw. Groß-Stiftungen (vgl. Stern, Spiegel etc.) tatsächlich entsprechende Zahlungen folgen. Welcher Reiche tritt nicht gerne vor die Kamera und kündigt an, großzügig für die Bekämpfung von Armut und Krankheit zu spenden? Wo hingegen soll man überprüfen können, ob der selbst ernannte Wohltäter dann tatsächlich gespendet hat?

Viel schlimmer ist allerdings, dass mit diesen „Wohltaten“ die mit Berechtigung verbrecherisch zu nennende Mentalität der Reichen reingewaschen werden soll. Kein Multimilliardär kann sein Vermögen mit „ehrlicher Arbeit“ erworben haben, das ist schlichtweg unmöglich. Die Anhäufung derartiger Vermögen ist einzig und allein mit wenigstens sozialverbrecherisch kaltschnäuzigem Egoismus, der über die Leichen weniger durchsetzungsstarker Mitmenschen geht, möglich. Grundsätzlich sind diese Vermögen des weiteren auf mehr oder weniger brutale Ausbeutung von Mensch und Natur gegründet. Und schließlich ist jede Menge kriminelle Energie bis hin zu Gewaltverbrechen im Spiel. Das können wir tagtäglich in den Medien lesen, hören und auch sehen.

Und vollends zynisch wird die Großspenderei und -stifterei, wenn klar wird, dass es gerade diese stiftenden und spendenden Reichen sind, die den Sozialstaat in Trümmer schlagen und Armut und Elend überhaupt erst maßgeblich schaffen. Sie zahlen aus Geldgier keine Steuern, betreiben für ihre Profite gnadenlos die Privatisierung von Bildung, Gesundheit, Altersvorsorge etc., bauen ihren Reichtum auf Sozialdumping, ruinieren die Umwelt durch maßlose Ausbeutung usw. Und nun kommen sie daher und spenden und stiften.

ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie ist eine Stiftung, die nicht auf karitatives Handeln, sondern auf gesellschaftlichen Wandel setzt. Nicht dem Armen einen Almosen, sondern Kraft zum Kampf für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Für gesellschaftlichen Wandel weg vom einzig auf Profit ausgerichteten System hin zu einer auf die Solidarität bauenden Gesellschaft.

ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie ist eine Stiftung von unten. Nicht die Ultrareichen stiften hier medienwirksam für ihr Image und zur Verschleierung von Ausbeutung und Unterdrückung, sondern viele Menschen stärken die Stiftung, indem sie von ihrem mehr oder weniger schmalen Vermögen einen Teil opfern. Zumeist ohne großes Aufheben im Stillen und stets gemäß dem Motto: Viele kleine Zustiftungen ergeben eine starke Stiftung.

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