Verleihung der ethecon Preise 2011:

Ehrung für Angela Davis - Schmähung für Tsunehisa Katsumata und andere Verantwortliche von TEPCO

Die Preisträger der beiden diesjährigen ethecon Preise stehen fest: Der Internationale ethecon Blue Planet Award 2011 geht an die US-amerikanische als „Polit-Ikone“ geltende Angela Davis. Der Internationale ethecon Black Planet Award 2011 stellt den Chairman Tsunehisa Katsumata, den für die Fukushima-Katastrophe verantwortlichen CEO Masataka Shimizu, weitere verantwortliche Manager und namentlich nicht bekannte GroßaktionärInnen von TEPCO an den Pranger.

ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie verleiht seit 2006 jährlich zwei internationale Preise. Der Positiv-Preis Blue Planet Award würdigt außerordentlichen Einsatz zum Erhalt und zur Rettung des „Blauen Planeten“. Der Schmähpreis Black Planet Award prangert hingegen die Verantwortung für den Ruin und die Zerstörung hin zu einem „Schwarzen Planeten“ an.

Der Blue Planet Award 2011 geht an die afroamerikanische Bürger- und Menschenrechtsaktivistin Prof. Angela Davis. Sie ist zum ersten Mal 1969 von der Öffentlichkeit wahrgenommen worden, als sie 1969 eine Dozentenstelle an der UCLA, der Universität Los Angeles, antrat. Der damalige kalifornische Gouverneur und spätere US-Präsident Ronald Reagan sowie der Treuhänderrat der Universität hatten erfolglos versucht, die Einstellung des Mitglieds der Kommunistischen Partei der USA zu verhindern. 1970 wurde Angela Davis nach einer missglückten Geiselnahme mit mehreren Toten, an der sie nicht beteiligt war, vom FBI auf die Liste der meistgesuchten Verbrecher gesetzt. Die Staatsanwaltschaft forderte die Todesstrafe. Vor dem Hintergrund beispielloser internationaler Solidaritätsmaßnahmen unter der Losung „Free Angela“ musste sie auf Grund der unhaltbaren Anschuldigungen 1972 freigesprochen werden.

Unter dem Eindruck ihrer eigenen Situation und der anderer Häftlinge setzt sie sich seitdem unermüdlich für die Rechte von Strafgefangenen und gegen die Todesstrafe ein. Ihr besonderes Augenmerk gilt dem gefängnis-industriellen Komplex. Prof. Davis kritisiert die zunehmende Privatisierung der Strafanstalten durch regelrechte „Gefängniskonzerne“ und die Ausbeutung der extrem unterbezahlten Insassen zu Gunsten von Konzern-Profiten.

Wegen des Fukushima-Desaster stellt ethecon mit dem Black Planet Award 2011 Tsunehisa Katsumata, den Chairman der japanischen Tokyo Electric Power Corporation/TEPCO, den damaligen Präsidenten Masataka Shimizu, weitere verantwortliche Manager und die hinter ihnen stehenden GroßaktionärInnen an den Pranger. Sie alle haben kaltschnäuzig für den Maximal-Profit Sicherheit und soziale Gerechtigkeit geopfert und so die bislang größte industriell bewirkte Menschheitskatastrophe zu verantworten. Im Ergebnis gab es Tausende von Opfern, Japan wurde großflächig atomar verseucht, die (Langzeit-)Folgen sind nicht abzusehen und die Schäden unermesslich. Besonders perfide sind die bis dato anhaltende Verschleierungs- und Verdunklungspolitik des Konzerns und die Verquickung mit Staat und Politik.

Die Preisverleihung findet im Rahmen der ethecon Tagung am Samstag, 19. November, im Pfefferwerk in Berlin statt. Angela Davis wird den Preis persönlich entgegen nehmen. Die geschmähten TEPCO-Verantwortlichen und -AktionärInnen werden den Preis im Rahmen breiter öffentlicher Aktionen unter Einbeziehung der Opfer und internationaler sozialer Bewegungen zu einem späteren Zeitpunkt ausgehändigt bekommen.

Der Festakt zur Verleihung beginnt um 14.00 Uhr im „Großen Saal“ in der Schönhauser Allee 176 und ist kostenlos aber anmeldepflichtig.

Mit den Positivpreisen hat ethecon in den vergangenen Jahren Diane Wilson/USA (2006), Vandana Shiva/Indien (2007), José Abreu und Hugo Chávez/Venezuela (2008), Uri Avnery/Israel (2009) sowie Elias Bierdel/Österreich (2010) ausgezeichnet. Die Schmähpreise gingen bisher an die EigentümerInnen bzw. AktionärInnen und das verantwortliche Management der Konzerne Monsanto/USA (2006), Nestlé/Schweiz (2007), Blackwater (Xe)/USA (2008), Formosa Plastics Group/Taiwan (2009) und BP/Großbritannien (2010).

ethecon ist im Gegensatz zu den vielen Konzern-, Familien-, Kirchen-, Partei- und Staatsstiftungen eine der wenigen Stiftungen „von unten“, die sich mit ihren derzeit 21 StifterInnen und dem Leitmotiv „Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung!“ in der Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen sieht. Die noch junge Stiftung finanziert sich über Zustiftungen, Spenden und Fördermitgliedschaften.

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