ethecon begrüßt Urteil gegen MONSANTO
Französisches Gericht verurteilt Agrar- und Gentechnik-Konzern zu Entschädigungszahlungen

Das Landgericht im französischen Lyon hat den US-Konzern MONSANTO zu Entschädigungszahlungen an den Getreidebauern Paul François verurteilt. François leidet unter neurologischen Problemen wie Gedächtnisverlust, Kopfschmerzen und Stottern, seitdem er 2004 das Unkrautvernichtungsmittel LASSO eingeatmet hat.

„Seit Jahrzehnten macht MONSANTO Profite auf Kosten von Mensch und Umwelt“, so ethecon-Vorstand Axel Köhler-Schnura. „Die Opfer werden kriminalisiert, verhöhnt, unter Druck gesetzt und was das Repertoire der Konzerne sonst so hergibt. Viel zu oft spielen die Gerichte zu Gunsten von MONSANTO mit. Deswegen betrachten wir dieses Urteil als wegweisend.“

Bisher sind viele Klagen gegen den Konzern gescheitert, weil der direkte Zusammenhang zwischen den Herbiziden bzw. Pestiziden und den Erkrankungen von Landwirten nach Meinung der Konzern-Gutachter nicht nachgewiesen werden konnte. „Es ist, als ob man durch eine Dornenhecke läuft und bestimmen müsste, welcher Dorn einen gestochen hat“, kommentiert ein Bauer nach überstandener Krebserkrankung.

Bei Paul François war die Beweisführung leichter, da er mit dem Reinigen des Pflanzenschutz-Spritzgerätes den Zeitpunkt genau benennen konnte, zu dem er dem Gift ausgesetzt war. Er wirft MONSANTO vor, nicht ausreichend vor den Gefahren gewarnt zu haben. Zudem nahm der Konzern das Pestizid LASSO in Frankreich erst 2007 vom Markt, obwohl ihm dessen Schädlichkeit schon in den achtziger Jahren bekannt war.

Dazugelernt hat der Konzern seitdem nichts. In Deutschland klagt aktuell die Witwe eines städtischen Gärtners aus Braunschweig, der im Juli 2011 beim Einsatz des MONSANTO-Pflanzengifts ROUNDUP verstorben ist. Die Ursache für dessen plötzlichen Tod ist bis heute nicht offiziell geklärt.

Die Stiftung ethecon hat das verantwortliche Management und die Großaktionäre des MONSANTO-Konzerns im Jahr 2006 mit dem ersten jemals vergebenen Internationalen ethecon Black Planet Award an den Pranger gestellt. Neben der rücksichtslosen Vermarktung von Herbiziden und Pestiziden kritisiert ethecon den Konzern vor allem für die weltweite Durchsetzung der Gentechnik, seine Monopol-Bestrebungen in Bezug auf Saatgut und seinen menschenverachtenden Umgang besonders mit indischen Kleinbauern. Laut Vandana Shiva, der indischen alternativen Nobelpreisträgerin und Trägerin des Internationalen ethecon Blue Planet Award 2007, haben sich 250.000 Bauern umgebracht. „Die Suizide häufen sich seit der Einführung der Gentechnik-Baumwolle im Jahr 2002.“ (taz-Interview 02.09.11)

Weitere Informationen zu MONSANTO und zum Online-Protest gegen den Konzern finden sich unter „Stiftungstagung 2006“ sowie im Aktionsbereich und im Downloadbereich der ethecon-Webseite www.ethecon.org.

Die Stiftung ethecon ist vor allem durch die jährliche Vergabe ihrer Internationalen ethecon Blue bzw. Black Planet Awards in Berlin bekannt. Mit den Positivpreisen hat ethecon in den vergangenen Jahren Diane Wilson/USA (2006), Vandana Shiva/Indien (2007), José Abreu und Hugo Chávez/Venezuela (2008), Uri Avnery/Israel (2009), Elias Bierdel/Österreich (2010) sowie Angela Davis/USA (2011) ausgezeichnet. Die Schmähpreise gingen bisher an die EigentümerInnen bzw. AktionärInnen und das verantwortliche Management der Konzerne Monsanto/USA (2006), Nestlé/Schweiz (2007), Blackwater (Xe)/USA (2008), Formosa Plastics Group/Taiwan (2009), BP/Großbritannien (2010) und Tepco/Japan (2011).

ethecon ist im Gegensatz zu den vielen Konzern-, Familien-, Kirchen-, Partei- und Staatsstiftungen eine der wenigen Stiftungen „von unten“, die sich mit ihren derzeit 25 ZustifterInnen und dem Leitmotiv „Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung!“ in der Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen sieht. Die noch junge Stiftung finanziert sich über Zustiftungen, Spenden und Fördermitgliedschaften.

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