Fukushima-Proteste? - Nein, danke!
Super-GAU soll beim Düsseldorfer Japan-Tag kein Thema sein

Die Bilder vom atomaren Super-GAU im japanischen Kernkraftwerk Fukushima haben sich vor gut einem Jahr weltweit ins Gedächtnis gebrannt. Unauslöschlich sind sie nun mit Japan verbunden und prägen das Bild mit, das im Ausland von Japan herrscht. Nicht zuletzt durch die tiefe Betroffenheit, die das Schicksal der AnwohnerInnen und der Evakuierten rund um den Globus ausgelöst hat, ist der 11. März 2011 zu einem historischen Datum geworden - in Japan und weltweit.

Umso befremdlicher ist die Tatsache, dass die japanische Regierung und ihre Vertretungen im Ausland alles ihnen Mögliche tun, um das Thema Fukushima auszublenden. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Japan-Tag, der am 2. Juni in Düsseldorf ausgerichtet wird. Veranstalter ist das japanische Generalkonsulat. Düsseldorf ist die Europa-Zentrale der japanischen Wirtschaft. Alljährlich präsentiert sich die fernöstliche Nation mit einem großen Fest. Im vergangenen Jahr fiel dieses auf Grund der Fukushima-Katastrophe aus.

Als ethecon - Stiftung & Ökonomie zusammen mit anderen Atomkraft-Gegnern zum diesjährigen Japan-Tag Informationsstände zu Fukushima anmeldete, mussten sie jedoch erfahren, dass dafür im Rahmen der Feier kein Platz ist. Ebenso wie in Japan selbst sind Wirtschaft und Politik zur Normalität übergegangen. Fukushima wird verdrängt und verschwiegen. Die Informationsstände zu Fukushikma zum Japan-Tag wurden kurzerhand untersagt. Da klingt die Begründung für das Verbot mehr als hohl: Der Japan-Tag solle „die Dankbarkeit der Japanischen Gemeinde für die jahrelange Unterstützung im Düsseldorfer Alltag zeigen“. Er sei „nicht dafür gedacht politische, wirtschaftliche oder ökologische Probleme zu diskutieren“.

Axel Köhler-Schnura, Vorstand der Stiftung ethecon, meint dazu: „Heute denkt jeder, der das Wort ,Japan' hört, sofort an Fukushima. Anstatt davon abzulenken und das Thema totzuschweigen, sollte der japanische Staat konstruktiv mit der Situation umgehen. Die Verantwortlichen für diese Menschheitskatastrophe müssen zur Verantwortung gezogen werden, ein Atomausstieg ist die einzig denkbare Lösung für dieses so erdbeben- und tsunamigefährdete Land!“

Mehr als ein Jahr nach der Katastrophe von Fukushima hat der Super-GAU noch immer keine ernsthaften Konsequenzen für die Verantwortlichen des Betreiberkonzerns TEPCO gehabt. Der Form halber wurden ein paar Manager ausgetauscht, von strafrechtlichen Konsequenzen ist jedoch nach wie vor keine Rede.

Die Stiftung ethecon hat im vergangenen November den Vorstandsvorsitzenden Tsunehisa Katsumata, den ehemaligen Konzernpräsidenten Masataka Shimizu und den gegenwärtigen Präsidenten Toshio Nishizawa sowie die GroßaktionärInnen des Energieversorgungs-Konzerns TEPCO mit dem Internationalen ethecon Black Planet Award 2011 an den Pranger gestellt. Es ist geplant, den Schmähpreis im Rahmen internationaler Aktionen Ende Juni in Japan den Geschmähten in Tokyo zu übergeben.

Die ausführliche Begründung für die Verleihung des Internationalen Black Planet Award 2011 finden Sie im Dossier über die TEPCO-Verantwortlichen im Downloadbereich der Webseite www.ethecon.org, eine Kurzfassung im Offenen Brief. Darin fordert ethecon die Haftung der Großaktionäre und die Bestrafung der Entscheidungsträger des Energiekonzerns. Diese trafen aus reinen Profit-Gründen Fehlentscheidungen, ohne die es gar nicht erst zu der Nuklearkatastrophe hätte kommen können.

Die Stiftung ethecon ist vor allem durch die jährliche Vergabe ihrer Internationalen ethecon Blue bzw. Black Planet Awards in Berlin bekannt. Mit den Positivpreisen hat ethecon in den vergangenen Jahren Diane Wilson/USA (2006), Vandana Shiva/Indien (2007), José Abreu und Hugo Chávez/Venezuela (2008), Uri Avnery/Israel (2009), Elias Bierdel/Österreich (2010) sowie Angela Davis/USA (2011) ausgezeichnet. Die Schmähpreise gingen bisher an die EigentümerInnen bzw. AktionärInnen und das verantwortliche Management der Konzerne Monsanto/USA (2006), Nestlé/Schweiz (2007), Blackwater (Xe)/USA (2008), Formosa Plastics Group/Taiwan (2009), BP/Großbritannien (2010) und Tepco/Japan (2011).

ethecon ist im Gegensatz zu den vielen Konzern-, Familien-, Kirchen-, Partei- und Staatsstiftungen eine der wenigen Stiftungen „von unten“, die sich mit ihren derzeit 30 ZustifterInnen und dem Leitmotiv „Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung!“ in der Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen sieht. Die noch junge Stiftung finanziert sich über Zustiftungen, Spenden und Fördermitgliedschaften.

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