FPG-Hauptversammlung im Zeichen heftiger Proteste
Konzern-Management am Pranger

Am Freitag, 25. Juni, wurde in Taiwan die Aktionärshauptversammlung des weltweit aktiven Chemie-Konzerns FORMOSA PLASTICS GROUP (FPG) im Sunworld Dynasty Hotel (1) in Taipei von „Green Shareholders“, eines von „ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie“ unterstützten internationalen Bündnisses, gestürmt. Sie prangerten in Redebeiträgen und Aktionen die Besitzerfamilie Wang und das verantwortliche Management für die in aller Welt begangenen Verbrechen gegen Mensch und Umwelt an. Sie wurden von Polizei und betrieblichen Sicherheitskräften an der Übergabe des Internationalen ethecon Black Planet Award gehindert. Die eigens aus den USA angereiste Umwelt- und Friedensaktivistin Diane Wilson, Preisträgerin des Internationalen ethecon Blue Planet Award 2006 und Anwohnerin eines Werkes von FPG, und andere AktivistInnen wurden aus dem Saal getragen.

In Zusammenarbeit mit Stiftung ethecon „besuchten“ heute VertreterInnen mehrerer taiwanesischer Sozial- und Umweltschutz-Organisationen die Aktionärsversammlung der FORMOSA PLASTICS GROUP in Taipei/Tawan. Vor den Verantwortlichen und den anwesenden ca. 600 AktionärInnen prangerten sie unter anderem die steigende Krebsrate und die 300.000-fache Überschreitung der Grenze für Schadstoffbelastung im Grundwasser an, die in der Umgebung verschiedener FPG-Anlagen zu beklagen sind. Auch die Umwelt- und Sicherheits-Bedenken bezüglich der FPG-Fabrik in Point Comfort, Texas, wurden thematisiert. Die Arbeiter sind bei jedem Verstoß der FPG gegen Umwelt-, Arbeits- und Gesundheitsschutz die ersten Leidtragenden und Opfer, weshalb die Initiative „Injured Workers United“ aus Texas sowie ArbeiterInnen aus Taiwan die Aktionen unterstützen.

Die lange Liste der weltweiten skandalösen Verbrechen von FPG gegen Mensch und Umwelt findet sich in einem ausführlichen ethecon Dossier in drei Sprachen und anderen Dokumenten zusammen gestellt. Zugleich wurden die Besitzerfamilie Wang, der Geschäftsführer Lee Chih-tsuen und das Management der Formosa Plastics Group mit dem Internationalen ethecon Black Planet Award 2009 als Verantwortliche für Ruin und Zerstörung unseres Planeten an den Pranger gestellt. Im Rahmen der Aktionen in Taipei sollte der Black Planet Award überreicht und ein Offener Brief dazu verlesen werden. Zu Beidem kam es nicht, weil ein Großaufgebot von Polizei- und Sicherheitskräften die AktivistInnen daran hinderte. Unter ihnen die eigens aus den USA angereiste Umwelt- und Friedensaktivistin Diane Wilson, ethecon Preisträgerin 2006 und Anwohnerin eines FPG-Werkes, die zusammen mit anderen spontan ein Sit-In organisierte und aus dem Saal getragen wurde.

Bereits im Vorfeld der Aktionärsversammlung kam es zu Auseinandersetzungen mit FPG, der Konzern begegnete seit Mai laufenden Protest-Aktionen mit Zensurmaßnahmen und Prozessdrohungen.

Die FPG ist einer der weltweit größten Hersteller des geächteten Stoffes PVC. Dieser Stoff wird unter anderem für schwere Gesundheitsrisiken wie Krebs, Gefäßerkrankungen und Durchblutungsstörungen sowie für Fehlgeburten und Geburtsfehler verantwortlich gemacht. Auch bei der Produktion von Bisphenol A, das gerade aktuell auch in Deutschland und ganz Europa massiv in der Kritik steht und das bereits in vielen Ländern verboten wurde, ist FPG einer der weltgrößten Produzenten. Der Konzern ist in aller Welt für seinen skandalösen Umgang mit Umwelt- und Gesundheitsschutz bekannt. Ein von „ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie“ im Zusammenhang erstelltes informiert darüber.

Mit dem jährlich vergebenen ethecon-Schmähpreis Black Planet Award wurden bisher die EigentümerInnen bzw. AktionärInnen sowie das verantwortliche Management der Konzerne MONSANTO (2006), NESTLÉ (2007) und XE/BLACKWATER (2008) angeprangert.

Gleichzeitig mit der jährlichen Vergabe der Negativ-Preise in Berlin/Deutschland wird auch ein Positiv-Preis Blue Planet Award verliehen. Er ging bisher an Diane Wilson/USA (2006), Vandana Shiva/Indien (2007), José Abreu und Hugo Chávez/Venezuela (2008) sowie Uri Avnery/Israel (2009).

ethecon ist im Gegensatz zu den vielen Konzern-, Familien-, Kirchen-, Partei- und Staatsstiftungen eine der wenigen Stiftungen „von unten“, die sich vor allem in der Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen sieht. Die noch junge Stiftung finanziert sich über Zustiftungen, Spenden und Fördermitgliedschaften.
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(1) Sunworld Dynasty Hotel, 2F No 100 Tunhua S Rd, Taipei, Taiwan, R.O.C.

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