In Verantwortung für den Planeten

Jährliche Preisverleihung der ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie

Auf dem Pfefferberg sind am 17. November die beiden diesjährigen internationalen ethecon Preise verliehen worden. Der Internationale ethecon Blue Planet Award 2012 ehrt Prof. Jean Ziegler. Der Internationale ethecon Black Planet Award 2012 schmäht Ivan Glasenberg, Simon Murray und Tony Hayward sowie die GroßaktionärInnen des Schweizer Rohstoffkonzerns GLENCORE.

Die 2004 gegründete Stiftung „von unten“ verleiht seit 2006 jährlich ihre Preise im Anschluss an ein internationales Nominierungsverfahren. Der Blue Planet Award ehrt Personen für ihren herausragenden Einsatz zum Erhalt und zur Rettung des „Blauen Planeten“. Untrennbar mit diesem Positiv-Preis verbunden, wird ebenfalls jährlich der Internationale ethecon Black Planet Award verliehen. Dieser Negativ-Peis prangert Personen an, die eine schockierende Verantwortung für Ruin und Zerstörung der Erde tragen und damit die Gefahr eines „Schwarzen Planeten“ heraufbeschwören.

Kämpfer für Gerechtigkeit

Im Jahr 2012 ist der ethecon Blue Planet Award an den Konzern- und Globalisierungskritiker Prof. Jean Ziegler aus der Schweiz gegangen. Dieser setzt sich seit Jahren unerschrocken für das Recht auf Nahrung ein. Seine wohl bekannteste Äußerung ist „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.“ Mit seiner seit Jahrzehnten geübten und aufgrund seiner langjährigen Funktion als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung sehr profunden Globalisierungskritik hat er Millionen Menschen in aller Welt inspiriert. Besonders beispielhaft ist dabei, dass er stets standhaft allen Repressionen von Seiten der Konzerne und vor allem der US-Regierung die Stirn geboten hat. In 2011 sollte er die Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen halten. Nachdem bekannt wurde, dass er den Reichen und Mächtigen direkt ins Gewissen reden und besonders die Spekulation mit Nahrungsmitteln anprangern wollte, wurde er kurzfristig ausgeladen. Die Rede hat dennoch unter dem Titel „Der Aufstand des Gewissens“ international Furore gemacht.

Zieglers Bücher werden regelmäßig internationale Bestseller. Sein neuestes Werk heißt „Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt“. Es ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Ziegler kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn er die herrschenden Zustände und vor allem die dafür Verantwortlichen anprangert. Seine Äußerungen und sein Verhalten stimmen mit dem Leitmotiv von ethecon überein, das lautet: „Für eine Welt ohne Ausbeutung und ohne Unterdrückung!“ In verschiedensten Funktionen setzt sich Ziegler seit mittlerweile rund fünf Jahrzehnten genau dafür ein. Aktuell ist er im Beratenden Ausschuss des UN-Menschenrechtsrat und im Beirat der NGO Business Crime Control (BCC) tätig.

Profiteure der Ungerechtigkeit

Mit dem Thema Nahrungsmittelspekulation haben auch die diesjährigen Schmähpreisträger etwas zu tun - allerdings stehen sie auf der Seite der Profiteure. Denn der ethecon Black Planet Award 2012 ist an den Geschäftsführer Ivan Glasenberg, den Verwaltungsratspräsidenten Simon Murray und den Verwaltungsrat Tony Hayward sowie die Großaktionäre des GLENCORE-Konzerns aus der Schweiz verliehen worden. Tony Hayward wurde bereits 2010 für seine Verantwortung für die Deepwater-Horizon-Ölkatastrophe als damaliger Geschäftsführer des BP-Konzerns mit dem Internationalen ethecon Black Planet Award 2010 geschmäht. Hayward ist damit die erste Person, die den Black Planet Award zum zweiten Mal erhält. Besonders zynisch daran ist, dass Hayward bei GLENCORE nun ausgerechnet im Komitee für Umwelt, Gesundheit und Sicherheit tätig ist.

Die genannten Manager und Großaktionäre leiten den weltweit größten Rohstoff-Konzern mit 186 Milliarden Dollar Umsatz (2011), und damit den größten Schweizer Konzern überhaupt. Sie beabsichtigen aktuell GLENCORE mit dem Minenbetreiber XSTRATA zu fusionieren. Dabei steht GLENCORE bereits jetzt auf Platz 14 der größten Unternehmen der Welt. Doch das sorgt nicht für verantwortungsbewussten Handeln bei den Konzernverantwortlichen - im Gegenteil. Bei einer Untersuchung der 120 größten europäischen Aktiengesellschaften in Bezug auf „Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und Transparenz“ kam GLENCORE auf den letzten Platz. Außerdem steht der Konzern in der Kritik wegen Steuerhinterziehungen, Korruptionsvorwürfen, Umweltverschmutzungen und Menschenrechtsverletzungen. Letztere bescherten GLENCORE im Jahr 2008 bereits die Schmähung mit dem Public Eye Swiss Award. Dazugelernt haben die Verantwortlichen in der Zwischenzeit offenbar nichts. Mittlerweile ist sogar bekannt geworden, dass der Konzern über Zwischenhändler in Afrika von Kinderarbeit profitiert.

Die sechs höchsten GLENCORE-Manager haben schon mit dem Börsengang des Konzerns mehr Geld gewonnen, als die Gesamtbevölkerung der 96 ärmsten Länder in einem Jahr verdient. Nun ist der Konzern auch noch in den Agrarbereich eingestiegen und macht bereits durch hemmungslose Nahrungsmittelspekulation von sich reden.

Um die geschmähten GLENCORE-Manager und -GroßaktionärInnen mit ihrer Verantwortung zu konfrontieren, plant ethecon, den Black Planet Award an sie im Rahmen öffentlicher Aktionen und in Zusammenarbeit mit internationalen sozialen Bewegungen zu übergeben.

Darüber hinaus hat ethecon die Kampagne „GLENCORE stoppen!“ gestartet. Diese kann man online im Aktionen-Bereich der Webseite www.ethecon.org unterstützen. Das Dossier über die Schmähpreisträger von GLENCORE sowie das Flugblatt „GLENCORE stoppen!“ können bei info@ethecon.org bestellt oder im Download-Bereich heruntergeladen werden.

Quelle: http://www.grueneliga-berlin.de/wp-content/plugins/downloads-manager/upload/2012_12_raberalf.pdf

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