Lorbeer für eine nimmermüde Kämpferin

Angela Davis wird mit dem »Blue Planet Award« geehrt. Negativpreis für japanischen Atomkonzern Tepco

Mehr als 6000 Organisationen aus aller Welt haben sich an der Nominierung beteiligt. Immer wieder sei ein Name genannt worden, als es um die Vergabe des internationalen »Blue Planet Award« ging, berichtete Axel Köhler-Schnura am Freitag in Berlin. Es war der von Angela Davis, Ikone der antirassistischen US-Bürgerrechtsbewegung. Davis wird den Preis am Samstag in Berlin in Empfang nehmen.

Der »Blue Planet Award« wird von »ethecon – Stiftung Ethik und Ökonomie« seit 2006 jährlich verliehen, ist undotiert und soll das Wirken von Menschen würdigen, die sich in »herausragender Weise« für eine gerechtere und ökologisch gesunde Welt einsetzen. Bislang gebe es kaum Stiftungen, »die sich um die politischen und sozialen Bewegungen für eine Welt ohne Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung kümmern«, sagte Stiftungsvorstand Köhler-Schnura. Genau dies wolle ethecon leisten – und zugleich jene anprangern, die in besonderer Weise für die Gefährdung der Erde verantwortlich sind. Zu diesem Zweck vergibt die Stiftung auch einen »Black Planet Award«. Der geht dieses Jahr an drei Spitzenmanager des japanischen Energiemultis Tepco. Die Führung des Unternehmens trägt die Schuld für den bislang schlimmsten atomaren Super-GAU. Die Katastrophe habe dieses Ausmaß annehmen können, weil gravierende Sicherheitsmängel, die lange vor Erdbeben und Tsunami am 11. März selbst von der japanischen Atomaufsicht moniert worden waren, nicht behoben wurden, sagte Karen Teuber-Genn vom Stiftungskurato­rium. Der Schmähpreis soll den Managern im Juni 2012 öffentlichkeitswirksam in Japan überreicht werden.

Doch am Samstag wird es erst einmal Anlaß geben, die Verdienste einer Frau zu feiern, die in den 70er Jahren international bekannt wurde, weil die US-Justiz sie mit dem Tod bedrohte. Die afroamerikanische Kommunistin war eines Mordes angeklagt worden, den sie nachweislich nicht begangen hatte. Damals sei ihre Freilassung Verdienst einer weltweiten Bewegung gewesen, betonte Davis in Berlin. Ihr Engagement heute sei eine »zutiefst kollektive Arbeit«, sagte die Philosophin und Sozialwissenschaftlerin bescheiden – weshalb sie den Preis eigentlich gar nicht verdient habe.

Angela Davis kämpft seit vielen Jahren nicht nur für die Abschaffung der Todesstrafe, sondern auch der Haft. Die Todesstrafe, so Davis in Berlin, sei ein Relikt der Sklaverei. Ebenso wichtig wie der gegen die Tötung von Staats wegen sei der Kampf gegen das Einsperren von Menschen, von dem in den USA eine ständig wachsende Industrie profitiert. Statt den »strukturellen Rassismus« im Bildungssystem zu beseitigen, Arbeit, Wohnung und Gesundheitsversorgung für alle zu schaffen, habe bislang jede US-Regierung den »gefängnisindustriellen Komplex« subventioniert.

In der Occupy-Wallstreet-Bewegung sieht Davis großes Potential für gesellschaftliche Veränderungen, zumal sie sehr stark von der praktischen Unterstützung linker Gewerkschaften lebe. Sie habe den Aktivisten jedoch gesagt, es sei wichtig, sich klar von der militärischen Bedeutung des Wortes »Okkupation« zu distanzieren – gerade angesichts der fatalen Folgen von Besatzung in Afghanistan und in Palästina.

Autorin: Jana Frielinghaus
Quelle: 19.11.2011 / Inland / Seite 5

Die Veröffentlichung des Artikels auf dieser Seite erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Zeitung Junge Welt.

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