In Deutschland ist die Auseinandersetzung mit dem würdelosen Umgang mit Menschen innerhalb des Hartz4-Systems immer wieder ein Thema.
Ein Blick nach Großbritannien verrät, wie unmenschlich ein Regierungssystem in einem anderem EU-Land mit den Schwächsten umgehen kann:
Dort haben die Vereinten Nationen eine Untersuchung über »schwerwiegende und systematische Verletzungen der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen« in Großbritannien in die Wege geleitet.
„Zwischen 2011 und 2014 sind den Daten zufolge 2.380 Menschen gestorben“, die britische Jobcenter nur wenige Wochen vorher als »arbeitsfähig« eingestuft hatten. Offensichtlich folgenreich war eine drastische Maßnahme, die die konservative Regierung von Premierminister David Cameron 2011 einführte:
„Vielen der Verstorbenen, deren Fälle die Statistik des Arbeitsministeriums nun auflistet, war kurz vor ihrem Tod das »Incapacity Benefit«, eine Sozialleistung für arbeitsunfähige Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen, entzogen worden.“
Innerhalb des 2008 eingeführten Systems »Employment and Support Allowance« (ESA) kennt man in Großbritannien keine Arbeitsunfähigkeit mehr, nur noch Abstufungen von Arbeitsfähigkeit.
Die so leichter zu verhängenden Sanktionen gegen die Betroffenen führen diese immer häufiger in „eine unaufhaltsame Abwärtsspirale. Durch den Verlust der ESA-Hilfen können sie ihre Therapien und Medikamente nicht mehr bezahlen. Verlieren sie ihr Arbeitslosengeld, können sie sich ihr Überleben nicht mehr leisten.“
Das britische Arbeitsministerium hatte über Jahre versucht, die Offenlegung der Zahlen der verstorbenen behinderten Sozialleistungsempfänger zu unterbinden. Veröffentlicht wurden sie nun doch von der Organisation DPAC (Behinderte Menschen gegen Sozialkürzungen).

Druckansicht      zurück nach oben08.09.2015
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