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Schmähpreis "Black Planet Award 2007" an NESTLÉ

NESTLÉ-Vorstands-Chef Peter Brabeck-Letmathe und die französische Großaktionärin Liliane de Bettencourt für ökologisch und sozial fragwürdige Geschäftspraktiken angeprangert

Gemeinsame Presseerklärung und Einladung von attac München, attac Schweiz, ethecon-Stiftung, IBFAN, MultiWatch NescaFair

Pressekonferenz:

Wann: 19.12.2007 – 13:00Uhr
Wo: „Restaurant des Temps Modernes“, Rue des deux gare 6b – 1800 Vevey, Schweiz

Termin Preisübergabe

Wann: 19.12.2007 – 14:00Uhr
Wo: Avenue NESTLÉ 55, CH – 1800 Vevey, Schweiz

Management und AktionärInnen des weltweit führenden Nahrungsmittelunternehmens NESTLÉ – zu dem so bekannte Marken wie Thomy, Maggie, Nescafé und Smarties gehören – werden mit dem internationalen „Black Planet Award 2007“ angeprangert. Dieser Schmähpreis wird jährlich von „ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie“ mit Sitz in Berlin verliehen. Der „Black Planet Award“ wird am 19.Dezember in die Konzernzentrale nach Vevey gebracht.

Die Wahl fiel auf NESTLÉ, weil dieses Unternehmen nach intensiver Analyse der Stiftung in besonders herausragender Weise unseren „Blauen Planeten“ gefährdet und ruiniert. Axel Köhler-Schnura, Vorstand und Gründungsstifter von ethecon: „Management und AktionärInnen dieses Schweizer Konzerns sind u.a. für die verantwortungslose Vermarktung von Babynahrung, für Gen-Nahrung, für die Privatisierung und Monopolisierung des Wassers verantwortlich“

Als positives Pendant verleiht ethecon neben dem Schmähpreis alljährlich auch den internationalen „Blue Planet Award“. Der von dem weltberühmten Künstler Otto Piene gestaltete Preis ging dieses Jahr an die indische Aktivistin Vandana Shiva. In ihrer Grußbotschaft zur Preisverleihung erklärte sich die promovierte Quantenphysikerin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises mit der Verleihung des „Black Planet Award“ an NESTLÉ sehr einverstanden: „Wir können mit Fug und Recht sagen, das NESTLÉ den Planeten und die Gesundheit der zukünftigen Generationen zerstört.“ Shiva forderte weiter, dass die zunehmende Monopolisierung von Wasser, Nahrung und Kleidung gestoppt werden müsse. „Denn da, wo das Wasser von großen Konzernen privatisiert wurde, sei es um das Zehnfache teurer geworden. Shiva wörtlich: „Verantwortlich für diese unheilvolle Entwicklung ist vor allem der NESTLÉ-Konzern. Das Abfüllen von Wasser durch NESTLÉ zum Verkauf ist nichts anderes als Wasserdiebstahl.“

Attac Schweiz befasst sich seit mehreren Jahren mit den Folgen der Aktivitäten von NESTLÉ im Bereich Wassermarkt. Die Organisation hat festgestellt, dass NESTLÉ als Nummer 1 im globalen Flaschenwasser-Markt eine besondere Verantwortung für die menschlichen, sozialen und ökologischen Schäden trägt, welche die Vermarktung von Trinkwasser, die Ausbeutung der Quellen und der wachsende Konsum dieses in vielen Ländern überflüssigen Produkts mit sich bringt.

Der Weltkonzern NESTLÉ mit Hauptsitz in Vevey/Schweiz erzielte 2006 einen Gewinn von 9,2 Milliarden Schweizer Franken. Um solche Milliardengewinne zu verbuchen, nehmen die Verantwortlichen des Konzerns –vorneweg der NESTLÉ-Vorstandsvorsitzende Peter Brabeck-Letmathe und die französische Großaktionärin Liliane de Bettencourt - Missstände wie etwa die Unterdrückung der gewerkschaftlichen Organisation von Mitarbeitern oder unfairen Handel mit Entwicklungsländern in Kauf.

Auch scheut NESTLÉ vor Geschäftsbeziehungen mit undemokratischen Ländern wie zum Beispiel Burma (Myanmar) nicht zurück. In solchen Ländern können Menschen und Umwelt ohne Rücksicht nach dem Gebot der Gewinnmaximierung ausgebeutet werden.

NESTLÉ – ein hartnäckiger Mehrfachtäter

MultiWatch, ein von diversen Schweizer Hilfswerken, Nichtregierungsorganisationen, politischen Parteien, Gewerkschaften, kirchlichen Gruppen und globalisierungskritischen Bewegungen getragener Verein, beobachtet das Verhalten des Konzerns seit längerer Zeit. Im Oktober 2005 wurde die Veranstaltung „Der Fall NESTLÉ“ durchgeführt - eine öffentliche Anhörung zu NESTLÉ in Kolumbien und Workshops zu den Bereichen Landwirtschaft, Wasser, Arbeits- und Gewerkschaftsrechte und Menschenrechtsnormen für Unternehmen.

„Leider hat sich die „Herr-im-Haus“-Politik von NESTLÉ seither nicht geändert, vor allem wenn es um Arbeitskonflikte und Gewerkschaften geht“, so MultiWatch. „Kritik und Konflikte versucht NESTLÉ in erster Linie zu unterdrücken, anstatt die Anliegen ernst zu nehmen und nach Lösungen zu suchen. Ein schlechtes Zeugnis für die Nummer 1 im globalen Lebensmittelmarkt mit ihren alljährlichen Milliardengewinnen! Wir können nur hoffen, dass sich diese Politik unter dem neuen NESTLÉ-Chef ändert.“

Harro Honolka von Attac München: „Die Nestle S.A. wirtschaftet unverantwortlich – seit Jahren und auf vielen Gebieten! Wir haben es mit einem hartnäckigen Mehrfachtäter zu tun, der Kritik meist abtropfen lässt. Wenn Nestle auch auf den „Black Planet Award“ nicht reagiert, müssen spürbarere Maßnahmen ergriffen werden, bis hin zu Kaufboykotten gegen Nestle-Produkte!“

Seit Jahren kritisieren unabhängige Organisationen wie MultiWatch, Attac oder IBFAN NESTLÉs unverantwortliche Unternehmenspolitik in vielen Ländern der Welt. Auch Vandana Shiva geht in ihrer Preisrede mit dem Konzern hart ins Gericht: „NESTLÉ ist auch verantwortlich für die brennenden Regenwälder in Indonesien. Denn NESTLÉ ist einer der Hauptabnehmer von Palmöl, das in riesigen Plantagen auf den Flächen des zerstörten Regenwaldes angebaut wird. Und Palmöl ist Bestandteil des Junkfoods, an das NESTLÉ mit dubiosen Werbekampagnen die Kinder in den armen Ländern gewöhnen will – zum eigenen Vorteil und gegen die Gesundheit der Kinder.“

Überschwemmung des lateinamerikanischen Kaffeemarktes mit billig produziertem Nescafé

Auf der Webseite von NESTLÉ findet man dagegen schön klingende Texte zur Nachhaltigkeit. „Doch die Realität sieht anders aus. Besonders im Kaffeeland Mexiko hat NESTLÉ Schritte eingeleitet, die insbesondere für die Kleinbauern und Kaffeekooperativen negative Konsequenzen haben.“ So der Journalist und Experte für Kaffeehandel Jan Braunholz. NESTLÉ besitze im Bereich des löslichen Kaffees einen Marktanteil von 80 Prozent. Für seinen Nescafé importiere NESTLÉ seit Jahren billigen Rohkaffee der Sorte Robusta, um die Preise in Mexiko niedrig zu halten. Jan Braunholz: „In Mexiko wird zwar auch Robustakaffee erzeugt, doch NESTLÉ zahlt dafür sehr geringe Preise, etwa 6 bis 7 Pesos (ca. 0.50 Euro) pro Kilo. Seit Jahren protestieren die Kleinbauern gegen die Niedrigpreise.“
Im Jahr 2019 wolle NESTLÉ dort bis zu einer Million Säcke Robustakaffee jährlich ernten, mehr als die derzeitige gesamte mexikanische Arabicakaffee-Produktion. Damit die Bauern ihre einheimischen Arabicapflanzen vernichten und neue Robustapflanzen setzen, die aber erst nach vier bis fünf Jahren abgeerntet werden können, versucht der NESTLÉ-Chef Peter Brabeck-Letmathe die Bauern mit verlockenden Versprechungen, wie hohe Absatzzahlen und den Bau von Schulen, zu ködern. Auch scheute Brabeck nicht vor der Bestechung der Kinder zurück: So wurden Süßigkeiten von vier großen LKWs an die Kleinen verteilt. Erinnerungen an Zeiten, wo Gold gegen wertlose Glasmurmeln getauscht wurde, werden wach.

NESTLÉ springt auf die Modewelle der grünen Imagewerbung auf
So hat das Schweizer Unternehmen im Oktober 2005 erstmals ein Fairtrade-Siegel für die Marke „Partner´s Blend“ bekommen, die auf dem englischen Markt vertrieben wird. Dies ist jedoch weniger ein Zeichen für ein radikales Umdenken des Unternehmens, als ein Ausdruck für den wachsenden Druck, unter dem es steht (Studie „Greenwash in Zeiten des Klimawandels“ http://www.lobbycontrol.de/download/greenwash-studie.pdf).

So sei etwa die Fairhandels-Partnerorganisation „Comercio Justo Mexiko“ komplett gegen den Fairhandels-Vertrag mit NESTLÉ gewesen, erklärt deren Vorsitzender Jeronimo Pruijn. Die Produzenten kennen den Konzern eher als Auftraggeber von Aufkäufern, die Kooperativen unter Druck setzen: „Wir nehmen einen Container Fairtrade-Kaffee und die restlichen zehn Container zu Weltmarktbedingungen, sonst gehen wir woanders hin.“ So oder ähnlich erpressten die Einkäufer der Konzerne die Produzenten, berichtet Fernando Celis von der mexikanischen Kaffee-Kleinbauernorganisation CNOC (Coordinadora Nacional de Organizaciones Cafetaleros).

Dass die VerbraucherInnen in Europa ein starkes Interesse an Produkten aus wirklich fairem Handel haben, zeigt die Aktion zweier Schweizer Jugendlichen. Ihre Petition „NescaFAIR" (siehe www.nescafair.ch.vu) unterzeichneten 4000 KonsumentInnen. NESTLÉ weigert sich bis heute, die Unterschriften öffentlich entgegenzunehmen.

Weiterhin Verstöße gegen den Internationalen Kodex

Ein Kaufboykott gegen NESTLÉ-Säuglingsnahrung wurde bereits 1988 von der Internationalen Aktionsgruppe Babynahrung ausgerufen. In der Kritik steht NESTLÉ bereits seit den 1970er Jahren wegen der aggressiven Vermarktung von Babynahrung besonders in Entwicklungsländern. Die Praktiken des Unternehmens basieren nicht selten auf Täuschung und Verführung bedürftiger Mütter, was zum Tod oder zur dauerhaften Schädigung von Millionen von Säuglingen führte. Bis heute verstößt NESTLÉ laut International Baby Food Action Network (IBFAN) jedes Jahr gegen den Kodex der Weltgesundheitsorganisation zur Vermarktung von Babynahrung.

Insgesamt ist der multinationale NESTLÉ-Konzern, d.h. sein Management und die hinter diesem stehenden AktionärInnen, in beispielhafter Weise für die Gefahr verantwortlich, dass aus unserer Welt ein „Schwarzer Planet“, eine unmenschliche, eine tote Welt wird. „ethecon – Stiftung für Ethik & Ökonomie“ prangert deshalb AktionärInnen und Management des NESTLÉ-Konzerns mit dem internationalen ethecon-Schmähpreis „Black Planet Award“ des Jahres 2007“ an.
In einem offenen Brief an die AktionärInnen und das Management NESTLÉs werden die Hauptgründe der Preisverleihung nochmals konzentriert zusammengefasst.

Medienanfragen bitte an:

Attac München
EineWeltHaus
Schwanthalerstr. 80
80336 München
E-Mail: hier

Attac Schweiz
Béatrice Schmid
Tel: 076/ 565. 67. 99
E-Mail: hier

ethecon
Stiftung Ethik & Ökonomie
Akeleiweg 7, 12487 Berlin
Tel: 01717265165
E-Mail: hier

IBFAN – GIFA
Avenue de la Paix 11
1202 Geneva
Switzerland
www.gifa.org
www.ibfan.org

MultiWatch – Kampagne für Menschenrechte,
Barbara Rimml
Tel: 079 203 17 72
E-Mail: hier
www.multiwatch.ch

NescaFAIR
Sandra Ujpétery
E-Mail: hier