Vorstellung der beiden internationalen ethecon-Preise

Von Hubert Ostendorf

 
Das berühmteste Blau der Kunstgeschichte stammt wohl von Yves Klein (1928 – 1962), der sich die Farbe in einem bestimmten Ultramarin-Ton sogar hat patentieren lassen. Die berühmen Wolkenbilder von Gerhard Richter (Jahrgang 1932) dürfen ebenfalls als eine Ode an Blau interpretiert werden. Auch Emil Schumacher (1912 – 1999) hatte in seinen informellen Bildern eine Vorliebe für Blau. Schließlich Otto Piene (Jahrgang 1928), Gründer der berühmten Künstlergruppe ZERO, der Heinz Mack und später Günter Uecker angehörten, dessen Schwester Rotraud mit Yves Klein verheiratet war. Bei Piene darf das Blau als eine logische Folge seiner künstlerischen Beschäftigung mit den Elementen und dem Licht interpretiert werden. Die frühen Feuerbilder und Lichtinstallationen und besonders später seine berühmte Sky-Art thematisieren den Himmel und den Kosmos und die Art, wie der Mensch seine irdischen Grenzen überwindet, um schließlich wieder auf seiner Erde, dem blauen Planeten, den es gilt, grün zu bewahren, so das Credo Otto Pienes, zurückzukommen. Der blaue Planet und mit ihm der „Blue Planet Award“, den Piene eigens für die Stiftung ethecon geschaffen hat, versteht der Künstler als Postulat für Ökologie, wahre Demokratie und Gerechtigkeit.
 
Der Preis kommt unscheinbar daher. Nur 10 cm breit und 25 cm hoch, eine mit dem blauen Planeten bemalte Glasplatte auf einem Holzsockel, datiert und handsigniert – ein Originalkunstwerk von unschätzbarem Wert. Mit dem „Blue Planet Award“ werden - im Geist von Otto Piene ebenso wie im Sinn der Ziele von ‚ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie“ - Personen ausgezeichnet, die sich herausragend für die ethischen Prinzipien im Spannungsfeld Ethik und Ökonomie einsetzen und so für den Erhalt bzw. die Rettung unseres „Blauen Planeten“ kämpfen. Wobei der „Blaue Planet“ die gesamte belebte und unbelebte Welt umfasst. Der „Blue Planet Award“ würdigt Menschen, die mutig, konsequent, unbestechlich und integer sind. Die bereit sind, für ihre Ideen zivilen Widerstand zu leisten, sich in Gegensatz zu herrschenden Normen und Gesetzen zu setzen und im Extrem dafür Strafen und Nachteile für Leib und Leben auf sich zu nehmen. Sie zeigen das, was gemeinhin Zivilcourage genannt wird, nämlich den Mut, ohne Rücksicht auf Nachteile für die Ideale der Menschheit einzutreten. Sie sind die GarantInnen, die das empfindliche Pflänzchen der Ethik hüten, pflegen und verteidigen.

Diese Menschen sollen mit dem „Blue Planet Award“ stellvertretend für alle, die sich für den Erhalt bzw. die Rettung des „Blauen Planeten“ einsetzen, hervorgehoben und persönlich ermutigt werden. Ihre Auszeichnung soll ihnen und allen zugleich Beispiel und Ansporn sein. Die mit dem „Blue Planet Award“ ausgezeichneten Menschen stehen in einer zunehmend auf den Profit als einzigem Kriterium jeglicher Entscheidung und Entwicklung ausgerichteten Welt als David gegen Goliath. Vielfältig benachteiligt, verfolgt und ausgegrenzt. Ja oft sogar von Anschlägen auf ihre Existenz, ihre Gesundheit und ihr Leben bedroht. Und dennoch sind sie diejenigen, denen die Menschheit Frieden, Menschenrechte, soziale Sicherheit und den Schutz der Umwelt verdankt. Ganz im Sinne Otto Pienes, der sagte: „Ja, ich träume von einer besseren Welt.“
 
Bei dem „Black Planet Award“ handelt es sich um einen industriell aus Plastik unter ausbeuterischen und umweltfeindlichen Bedingungen hergestellten Globus, der schwarz angesprüht wurde. Die künstlerische Verfremdung ist bewusst nicht von dem Künstler, der den jährlichen Positiv-Preis schafft, von Otto Piene, vorgenommen, sondern von einem Jugendlichen. Damit wird vermeiden, dass mit dem „Black Planet Award“ eine Trophäe von Wert auf dem kapitalistischen Kunstmarkt entsteht; es wird bewusst vermieden, dass in unserer auf Verwertbarkeit ausgerichteten Welt ein materieller Wert entsteht, zumal für jemanden, der diesen Wert – im wahrsten Sinne des Wortes - nicht verdient hat. Zugleich steht der Jugendliche symbolisch für die gefährdete Zukunft des „Blauen Planeten“, für diejenige Generation, der ein „Schwarzer Planet“ droht.
 
Mit dem internationalen Schmähpreis „Black Planet Award“ werden in konsequenter Abgrenzung zum „Blue Planet Award“ Personen gebrandmarkt, die im Spannungsfeld Ethik und Ökonomie ethische Prinzipien in herausragender Weise mit Füßen treten und so den Blauen Planeten in Gefahr bringen.
Der „Black Planet Award“ geht an Personen, die beispielhaft von Krieg, Ausbeutung, Menschen-rechtsverletzungen, Zerstörung der Natur und sozialem Elend profitieren und so gewollt oder ungewollt treibende Kräfte dieser verheerenden Entwicklungen sind. Diese Menschen sind es, die die Gefahr heraufbeschwören, dass aus dem „Blauen Planeten“ ein „Schwarzer Planet“ wird.
Die mit dem „Black Planet Award“ geschmähten Menschen stehen in einer zunehmend auf den Profit als einzigem Kriterium jeglicher Entscheidung und Entwicklung ausgerichteten Welt als wenige Mächtige der Masse der Menschheit und der Umwelt gegenüber und diktieren deren Lebens- und Existenzbedingungen. Selbstherrlich und zunehmend keinerlei Gesetzen und Gerichtsbarkeit unterworfen agieren sie einzig zum Vorteil der persönlichen Bereicherung. Der „Black Planet Award“ schmäht und brandmarkt diese Menschen, die Moral und Ethik mit Füßen treten. Die sogar bereit sind, den Untergang des Planeten als „Schwarzer Planet“ in Kauf zu nehmen. Sie zeigen das, was gemeinhin Rücksichtslosigkeit und Egoismus genannt wird. Sie sind diejenigen, die das empfindliche Pflänzchen der Ethik missachten und schänden.
Diese Menschen werden mit dem Schmähpreis stellvertretend für alle, die den „Blauen Planeten“ gefährden bzw. dessen Untergang zu einem „Schwarzen Planeten“ heraufbeschwören, persönlich öffentlich herausgestellt. Ihre Schmähung soll als Warnung und abschreckendes Beispiel dienen.

14. März 2009

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