BP-Kritikerin drohen zwei Jahre Haft. USA: Garnelenfischerin nach Protesten gegen Ölkatastrophe angeklagt
Mehr als zwei Jahre Gefängnis drohen der US-amerikanischen Garnelenfischerin und Umweltaktivistin Diane Wilson, nachdem sie im Juli mit spektakulären Aktionen gegen die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko protestiert hatte. Während einer öffentlichen Anhörung im US-Senat hatte sie sich mit einer schwarzen Flüssigkeit übergossen und einer gerade sprechenden republikanischen Abgeordneten zugerufen: »So sieht es aus, wenn Öl sich über Sie ergießt«. Die Senatorin Lisa Murkowski hatte sich in der Beratung gegen eine Aufhebung der bislang bei 75 Millionen Dollar liegenden Haftungsbegrenzung von Ölkonzernen ausgesprochen. Außerdem hatte sie eine Entschließung eingebracht, mit der die Rechte der US-Umweltbehörde EPA begrenzt werden sollten. Während die Senatorin umgehend von Sicherheitsbeamten aus dem Saal gebracht wurde, wurde die Aktivistin wegen »Störung einer Senatssitzung« verhaftet und abgeführt.
Nur wenige Tage später sorgte Wilson erneut für einen Eklat, als sie bei der Kongreßanhörung von BP-Chef Tony Hayward mit schwarz verschmierten Händen und Gesicht lautstark dessen strafrechtliche Verfolgung forderte. Auch dafür soll ihr am Freitag vor dem Superior Court of the District of Columbia, dem Kammergericht von Washington, D.C., der Prozeß gemacht werden. Insgesamt drohen ihr 840 Tage Haft, mehr als zwei Jahre. »Der BP-Geschäftsführer Tony Hayward sollte im Gefängnis sein, nicht eine verzweifelte Garnelenfischerin«, kritisierte Medea Benjamin, die gemeinsam mit Wilson die feministisch-pazifistische Bürgerrechtsbewegung »Code Pink« gegründet hatte. Auch die aus der deutschen Umweltbewegung entstandene Stiftung »ethecon«, die Wilson vor einigen Jahren mit ihrem »Blue Planet Award« ausgezeichnet hatte, protestierte gegen das Verfahren. »Durch rücksichtslose Profitgier hat der BP-Konzern den Tod von elf Menschen und eine der schlimmsten Umweltkatastrophen aller Zeiten verschuldet. Die Macht der Konzerne ist so groß, daß die Täter unbehelligt bleiben, während die Opfer durch Gefängnisstrafen eingeschüchtert und mundtot gemacht werden sollen«, erklärte am Mittwoch der Vorsitzende der Stiftung, Axel Köhler-Schnura.
Unterdessen haben US-Forscher den Erklärungen der Regierung in Washington widersprochen, wonach bereits ein Großteil des im Golf von Mexiko ausgelaufenen Öls wieder verschwunden sein soll. Fast 80 Prozent des Öls belasteten immer noch die Umwelt, erklärten fünf Wissenschaftler der University of Georgia am Dienstag (Ortszeit). Eine erneute Analyse der Regierungsdaten habe gezeigt, daß »zwischen 70 und 79 Prozent des Öls immer noch da draußen sein müssen«, sagte der Meeresforscher Charles Hopkinson. Die Regierung hatte Anfang August erklärt, daß sich bereits drei Viertel des Öls wieder aufgelöst hätten. »Eine falsche Annahme ist, daß in Wasser gelöstes Öl harmlos ist«, sagte Hopkinson der Nachrichtenagentur AFP. »Das Öl ist immer noch da draußen und braucht wahrscheinlich Jahre, bis es abgebaut ist. Wir sind noch weit davon entfernt, die Auswirkungen vollständig zu verstehen.« (AFP/jW)


