„Radikaler Humanismus“
Internationaler ethecon Blue Planet Award 2010 an Elias Bierdel/Österreich

(Berlin) Elias Bierdel/Österreich zeigte sich überwältigt von der Verleihung des diesjährigen Internationalen ethecon Blue Planet Award. Fast 200 Personen waren am Samstag, 20. November, im Berliner Pfefferwerk dabei, als die ehemalige Bundesministerin für Entwicklung und Zusammenarbeit, Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), schilderte, wie der Flüchtlings- und Menschenrechtler in Italien verhaftet, ins Gefängnis geworfen und vor Gericht gestellt wurde. Für nichts anderes, als dafür, dass er und seine Kollegen 37 afrikanischen Flüchtlingen im Mittelmeer das Leben gerettet hatten. „Die Situation, wie die EU mit den Flüchtlingen umgeht, ist eine Schande für Europa!“, stellte sie klar. Heidemarie Wieczorek-Zeul hatte 2004 die sofortige Freilassung Bierdels gefordert und sich damit ihrem Parteikollegen, dem damaligen Innenminister Schily entgegengestellt. Dieser wollte zusammen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi an Bierdel und seinen Kollegen ein Exempel in Flüchtlingsfragen statuieren. Der Prozess endete im Oktober 2009. Mit dem Freispruch aller Angeklagten. Aufgrund dieser Ereignisse gründete der mit einem Medienpreis der Evangelischen Kirche ausgezeichnete ehemalige ARD-Korrespondent zusammen mit anderen „borderline europe“ und ist seither aktiv, um auf „die schreckliche Tatsache, dass an den Grenzen der Wohlstandsfestung Europa Jahr für Jahr Tausende von Menschen den Tod finden“, aufmerksam zu machen. Die Verleihung des Internationalen Blue Planet Award 2010 an ihn wurde vom Publikum mit stehenden Ovationen bedacht.

Die Trophäe des ansonsten undotierten Awards besteht aus einem Unikat, das die international bekannte Fotokünstlerin Katharina Mayer/Düsseldorf gestaltet hat. Sie war persönlich anwesend und zeigte sich „stolz, diesen Preis einem Menschen übergeben zu dürfen, der die Antwort auf Frage nach dem ,menschlichen Maß‚ in ,radikalem Humanismus‘ sieht.“

Gleichzeitig mit dem Positivpreis wurde der Internationale ethecon Black Planet Award 2010 verliehen. Der Schmähredner, Dr. Winfried Wolf, Chefredakteur von LunaPark21, begründete ausführlich, weshalb Tony Hayward, Bob Dudley, Carl-Henric Svanberg, das weitere verantwortliche Management sowie die GroßaktionärInnen des Ölkonzerns BP mit diesem Negativ-Preis international an den Pranger gestellt werden. „Aus reiner Profitsucht betreiben sie Umweltzerstörung in großem Stil“, wie im April dieses Jahres bei der Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko deutlich wurde. Die Abkürzung „BP“ stehe in Wirklichkeit für „Bloody Profits ... für Profitmacherei, die Tod und Zerstörung in Kauf nimmt.“

Die Verleihung der beiden internationalen ethecon Preise war eingebettet in das Tagungsthema „Atomkraft - Nein danke“. Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg stand ganz unter dem Eindruck der Ereignisse rund um den Anfang des Monats erfolgten Castortransport ins Wendland: „Das Wendland hat mit seinen jahrzehntelangen Aktionen S21 vorbereitet: Der Atommüll muss oben bleiben!“, meinte Ehmke.

Die beiden jährlichen Preise verleiht „ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie“ seit 2006. Der internationale Positiv-Preis „Blue Planet Award“ würdigt außerordentlichen Einsatz zum Erhalt und zur Rettung des „Blauen Planeten“. Der internationale Schmähpreis „Black Planet Award“ prangert herausragende Verantwortung für den Ruin und die Zerstörung des „Blauen Planeten“ an. Mit den Positivpreisen hat ethecon in den vergangenen Jahren Diane Wilson/USA (2006), Vandana Shiva/Indien (2007), José Abreu und Hugo Chávez/Venezuela (2008) sowie Uri Avnery/Israel (2009) ausgezeichnet. Die Schmähpreise gingen bisher an die EigentümerInnen bzw. AktionärInnen und das verantwortliche Management der Konzerne Monsanto/USA (2006), Nestlé/Schweiz (2007), Blackwater (Xe)/USA (2008) und Formosa Plastics Group/Taiwan (2009).

ethecon ist im Gegensatz zu den vielen Konzern-, Familien-, Kirchen-, Partei- und Staatsstiftungen eine der wenigen Stiftungen „von unten“, die sich mit ihren derzeit 18 StifterInnen und dem Leitmotiv „Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung!“ in der Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen sieht. Die noch junge Stiftung finanziert sich über Zustiftungen, Spenden und Fördermitgliedschaften.

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