Am Sitz von Glencore in Baar im Kanton Zug bleibt der äußere Anschein bescheiden. Das Firmengelände sieht aus wie das jeder anderen Firma - es sind mehr als 30 - die sich in dieser Ortschaft, die zum Steuerparadies geworden ist, etabliert hat. Dennoch verbergen die Glasfassaden eine ungebremste Aktivität bei Investitionen und Rückkäufen. Glencore hat in wenigen Jahren eine dominante Position auf dem internationalen Rohstoffmarkt erlangt und hat sich vom Status des Großhändlers zu dem eines Unternehmens entwickelt, das den gesamten Produktionsprozess kontrolliert. Das Unternehmen steht für die Superlative: größter Produzent und Händler im Welthandel mit Zink (60% des Marktes) größter Kupferhändler (50% des Marktes), größtes Schweizer Unternehmen in Bezug auf den Umsatz (186 Milliarden Dollar für 2011).

Glencore hat den Hauptteil seines Reichtums in errichtet, d.h. in Ländern wie Irak, Kasachstan, Äquatorialguinea, Kolumbien und der demokratischen Republik Kongo, wo Korruption, Vergehen gegen die Menschenrechte und Umweltschäden Legion sind. Glencore hat mehr Macht als die meisten dieser Länder: sein Umsatz z.B. beträgt 26 mal soviel wie der Staatshaushalt von der Republik Kongo und fast 44 mal soviel wie der von Sambia (Zahlen von 2011). Dennoch ist das Unternehmen keiner demokratischen Kontrolle unterworfen und es betreibt keine glaubwürdige Politik sozialer Verantwortung, die es erlaubte, seiner wirtschaftlichen Macht entgegenzutreten. Wie ein kürzlich erschienener Artikel in der Zeitschrift „Foreign policy“ betont, arbeitet Glencore im Verborgenen: „Glencore erlangt seine Profite an den Rändern (...), indem es in den abgelegensten Regionen der Welt arbeitet und oft, nach dem, was die Forscher herausgefunden haben, am Rande der Legalität.“

Im Jahre 2010 hat Glencore die „Glencore Corporate Practice“ anerkannt, womit das Unternehmen sich verpflichtet, ethische, soziale und Umweltprinzipien zu respektieren. Und im September 2011, sechs Monate nach seinem Börsengang, hat der Konzern seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Diese beiden Dokumente lassen indes eine überholte Auffassung von sozialer Verantwortung erkennen und stellen keine Antwort auf die Herausforderungen durch Investitionen in „Risikoländern“ dar. Auf normativer Ebene z.B. beziehen sich die „Corporate Principles“ auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, aber man lässt alle anderen Gründungstexte außer Acht - das Abkommen über Zivil- und politisches Recht, das Abkommen über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte und schließlich die Konvention der internationalen Organisation zur Arbeit - die allgemein anerkannt wurden bevor sie Teil einer glaubwürdigen Politik sozialer Verantwortung wurden. Was diese Materie angeht, so kann man auf eine verkürzte Auffassung Glencores über Menschenrechte und Verantwortung schließen.

Auf der Ebene der Umsetzung bringt das Unternehmen Wohltätigkeitsprojekte auf den Weg wie den Bau von Krankenhäusern, Schulen und Brunnen, aber es berücksichtigt dabei nicht die konkreten Probleme, die man vor Ort antrifft und die aus seinen Aktivitäten resultieren. Im Grunde geschieht alles, als ob Glencore eher die Realität verbergen wolle, als zu zeigen, dass man die Probleme kennt und zu zeigen, wie man sie lösen werde (to know and show). Im übrigen bezieht sich die Herangehensweise von Glengore nicht auf die notwendige Erstellung systematischer Studien zur Lage der Menschenrechte und natürlichen Umwelt oder auch der Arbeit von externen unabhängigen Aktivitäten (Nicht-Regierungsorganisationen oder Gruppen, die die betroffene Bevölkerung vertreten etc.). Zwei Grundsätze, die dennoch heutzutage als entscheidend für jede Menschenrechtspolitik eines Unternehmens betrachtet werden.

Im April 2012 haben Brot für Alle und Fastenopfer einen Erfahrungsbericht über die Aktivitäten von Glencore im Kongo veröffentlicht: „Glencore in the Democratic Republic of Congo: Profit before Human Rights and the environment“ Die Resultate der Recherche, die in Zusammenarbeit mit den kongolesische NGOs gemacht wurden, sind beunruhigend.

Auf dem Gebiet der Menschenrechte hat die Untersuchung ergeben, dass Glencore - via diverse Zwischenhändler - die Rohstoffe von einer Handarbeitsmine zurückgekauft hat (Tilwezembe), in der Kinder und Erwachsene quasi mit bloßen Händen arbeiten. Im industriellen Bergbau entsprechen die Arbeitsbedingungen auch nicht den legalen Anforderungen. Das lokale Personal wird gegenüber ausländischem Personal diskriminiert, Fälle von unrechtmäßigen Entlassungen werden regelmäßig beklagt und die Überstunden in Mutanda Mining, einer der beiden Filialen von Glencore, werden nicht bezahlt.

Was die Umwelt betrifft, so hat sich herausgestellt, dass Kamoto Copper Company (KCC), die andere Filiale von Glencore vier Jahre lang Schwefelsäure in den Fluss Luilu geleitet hat. Konkret bedeutet das, dass das Unternehmen das Abwasser ohne jede Reinigung in den Fluss leitete, und das, wo dieser eine Hauptwasserquelle für die umliegenden Dörfer ist. Im April hat KCC seine Säureeinleitungen gestoppt, aber - nach vor Ort gesammelten Informationen - zeigt das Rückhaltebecken, das die Firma eingerichtet hat, schon undichte Stellen. Und das Unternehmen hat noch keine Entschädigung für die Bewohner von Luilu in Aussicht gestellt. Was die Mine von Mutanda Mining betrifft, sie befindet sich in einem Jagdgebiet (Basse-Kando), d.h. in einer geschützten Zone, in der keine Zugeständnisse hätten gemacht werden dürfen. Nach den vor Ort gesammelten Zeugenaussagen haben der Lärm und die industriellen Schäden schon Rhinozerosse und andere Tiere schon über die Grenze nach Sambia fliehen lassen.

Was den Dialog mit den Gemeinden betrifft, so scheint es, dass die von den Aktivitäten Glencores betroffenen Gemeinden (vor allem Luilu und Musonoi) niemals die Studien über Umweltauswirkungen bekommen haben, die die Firma ausgegeben zu haben behauptet. Und die Briefe, die die Bewohner zum Thema mangelnder Zugang zu Trinkwasser, Häuser, die durch Explosionen geschädigt wurden oder übergroße Staubwolken in der Trockenzeit, bleiben ohne Antwort. Übereinstimmende Zeugenaussagen, die sich klar abheben von Glencores Beteuerung, zwei „Liaison Officers“ zu haben, die regelmäßig die Orte besuchen.

Was schließlich die Zahlung von Steuern betrifft, so ist die fiskalische Optimierung zu jedem Preis die Regel. In seinem ersten Nachhaltigkeitsbericht von 2011 gibt das Unternehmen an, fast 23 Millionen Dollar in der demokratischen Republik Kongo investiert zu haben, um Straßen, Krankenhäuser, Brunnen oder noch einen Flughafen zu bauen, aber diese Investition hält keinen Vergleich mit der Summe stand, die Glencore dem kongolesischen Staat entzogen hat durch seine Steuervermeidungspraktiken. Nur für 2010 und 2011 haben diese „legalen“ Praktiken dem Kongo eine Summe zwischen 123 und 196 Millionen Dollar entzogen. Eine andere Sache zeigt, dass diese aggressiven Praktiken sich an der Grenze zur Legalität bewegen: KCC, Filiale von Glencore im Kongo, musste im Mai 2012 14,5 Millionen Dollar Strafe bezahlen, wegen Steuerhinterziehung auf Grund einer Angleichung von Exportsteuern und Steuerstrafzahlungen.

Die Analyse der RSE zur Politik von Glencore, aber auch die Realität der Investionen in der Demokratischen Republik Kongo zeigen, dass das größte Unternehmen der Schweiz trotz seines Börsengangs nicht seine Unternehmenskultur geändert hat. Damit die Investitionen der Bevölkerung vor Ort zu gute kommen, ist ein Kurswechsel nötig. Der Preis der Stiftung ethecon soll Glencore auf die Notwendigkeit hinweisen, seine interne Politik zu überprüfen und mit einem unabhängigen Institut zusammenzuarbeiten, um Studien zur Lage der Menschenrechte zu erstellen. Das ist umso wichtiger als der Konzern seine Fusionen und Zukäufe in der Welt multipliziert.

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