Auszeichnung: Die Rückkehr des „Sweet Black Angels“

Vor wenigen Tagen erst ist Angela Davis in Washington aufgetreten. „Wir sagen Nein zu großen Banken!“, rief sie den jungen Occupy-Wall-Street-Demonstranten zu, die jedes ihrer Worte im Sprechchor wiederholten: Nein zum globalen Kapitalismus, zu Rassismus, Ausbeutung und Fremdenangst.

Am Freitagabend diskutierte sie mit Berliner Occupy-Vertretern in ihrem Camp an der Spree. Mit 67 Jahren kämpft Angela Davis noch immer für eine neue Welt. Revolution sei eine ernsthafte Sache fürs ganze Leben, sagt sie. An diesem Sonnabend empfängt sie im Berliner Pfefferberg einen Preis für ihr Engagement zu „Rettung und Erhalt unseres Blauen Planeten“. Vergeben wird der Blue Planet Award von der Stiftung ethecon. Die Laudatio hält Gregor Gysi.

Mit den Linken vereint Angela Davis viel. Auch mit Ostdeutschland. Als sie 2010 in einem Leipziger Theater auftrat, bat sie, es mögen doch alle Leute aufstehen, die ihr damals Postkarten mit roten Rosen geschickt hätten. Der Saal erhob sich fast geschlossen.

Damals, es war 1970, hatte sich weltweit Protest geregt, weil der jungen Kommunistin, die bereits als Uni-Dozentin geschasst worden war, in Kalifornien die Todesstrafe drohte. Man warf ihr vor, die Waffe für eine blutige Gefangenenbefreiung der Black Panther geliefert zu haben. John Lennon und die Rolling Stones schrieben Songs über sie. Der „Sweet Black Angel“ wurde zur Plakat-Ikone. 1972 sprach man sie frei.

Gegen die Umarmungen der Mächtigen des Ostens hat sich die schlanke Frau mit der leidenschaftlichen Stimme nie gewehrt. In Moskau gab's den Lenin-Friedenspreis. In Ost-Berlin war sie 1973 Ehrengast des Weltjugendfestivals. Sie zeigte, auf welcher Seite sie sich zu Hause fühlte, und sie soll es auch abgelehnt haben, sich mit ihrem Ansehen für gefangene Dissidenten einzusetzen.

Längst ist der Afrolook grauen Locken gewichen. Angela Davis lebt mit ihrer Partnerin im kalifornischen Oakland. Sie reist viel, hält Vorträge und Seminare. Denn ihre Mission ist noch nicht erfüllt. Davis kritisiert weiterhin den „gefängnis-industriellen Komplex der USA“, der eine Art moderne Sklaverei schaffe. Und obwohl inzwischen ein schwarzer Präsident die USA regiert, kämpft sie weiter gegen Rassismus. Obama sieht sie als „Verkörperung der Farbenblindheit“. Er gebe den Anschein, „dass wir den Rassismus überwunden haben, indem wir die Rasse nicht mehr berücksichtigen“.

Torsten Harmsen, Berliner Zeitung vom 19./20.11.2011

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