Erklärung von Vorstand und Kuratorium der Stiftung ethecon vom 16. März 2013

Fukushima mahnt: Atomausstieg sofort! Weltweit!

Laut Internationaler Atomenergieorganisation (IAEA) gibt es in 30 Staaten weltweit 437 Reaktoren. Sie stellen 11% der weltweiten Stromerzeugung. 67 Reaktoren befinden sich im Bau. Über die Hälfte stehen in Industrienationen wie den USA (104), Japan (50) und Frankreich (58). Eine Vielzahl steht aber auch in Ländern, die zu den Armenhäusern unserer globalisierten Wirtschaft gehören. Mit den dort existierenden Risiken und Gefahren.

Nach dem Schrecken der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945 war die Welt geschockt. Kernspaltung, egal ob militärisch oder zivil genutzt, wurde von weiten Teilen der Weltbevölkerung strikt abgelehnt.
In der Rede „Atom for Peace“ vor der UN versuchte US-Präsident Eisenhower 1953 erstmals nach dem „Atom-Schock“, die Atomenergie wieder gesellschaftsfähig zu machen. Er warb für die „billige und effiziente“ Energie, um neben dem Öl eine zweite, leicht verfügbare, kostengünstige Energiequelle zu etablieren. Diese Rede gilt als Dammbruch. Sie öffnete trotz der globalen Widerstände der zivilen Nutzung der Atomenergie die Tür. Das hatte im Rahmen des Kalten Krieges direkte Folgen: 1954 ging in der Stadt Obninsk/UdSSR das erste AKW ans Netz. 1956 folgte das erste kommerzielle AKW in Großbritannien. Die Ölkrisen in den 70er Jahren wurden zu weltumspannenden Propaganda-Feldzügen genutzt und etablierten die „zivile Nutzung“ der Atomenergie endgültig.

Ausgeblendet bleibt oft, dass hinter der Atomenergie gigantische Profit-Interessen stehen. Zulieferer, Entsorger, Hersteller und Betreiber von AKWs gehören zur obersten Liga der kapitalistischen Wirtschaft. .Sie tun alles, um die Atomenergie trotz untauglicher Technik - nicht einmal die Frage der Atomabfälle ist gelöst - gegen alle Widerstände zu erhalten. Dabei wird - wie immer neue „Skandale“ zeigen – auch zu brachialen Mitteln gegriffen. So hat der Fukushima-Katastrophen-Konzern TEPCO den japanischen Ministerpräsidenten aus dem Amt gedrängt, nachdem dessen Politik zunehmend atomkritisch wurde.
Doch trotz aller Bemühungen verebbte der Widerstand gegen die Atomenergie zu keiner Zeit. Im Gegenteil, mit dem Bau jedes neuen AKWs schwoll er wieder an.
1979 erschütterte die erste bekannt gewordene Katastrophe die Weltöffentlichkeit. Im AKW Three Mile Island (USA) trat eine partielle Kernschmelze ein. Laut Aufsichtsbehörde und Unternehmen gab es keine Gefahr für AnwohnerInnen des nahegelegenen Harrisburg. Eine unabhängige Studie zeigt jedoch, dass die Krebsrate um 150% gestiegen ist.

Die Zahl bekannt gewordener Unfälle steigt an. Neben den ca. 35 von der IAEA seit 1949 gelisteten Unfällen und Katastrophen in atomaren Anlagen (auch bei Zulieferern und Entsorgern), melden NGOs zahlreiche ein Vielfaches davon.
1986 dann die erste atomare Weltkatastrophe in Tschernobyl und 2011 die Menschheitskatastrophe in Fukushima. In letzterem Fall ist die Kernschmelze bis heute, zwei Jahre später, noch in Gange und völlig unkalkulierbar.
Spätestens mit diesen beiden Katastrophen haben sich die Mehrheiten verändert. Weltweit sind Forderungen nach dem Atomausstieg unüberhörbar geworden. Egal in welcher Sprache.

Der Ruf nach Abschaltung aller AKWs weltweit muss auch beinhalten, dass der Rückbau unter demokratischer Kontrolle und auf Kosten der Profiteure geschieht. „Der Spiegel“ berechnet, dass der Rückbau eines Kraftwerks - die Frage der Endlagerung des radioaktiven Materials ist dabei nicht geklärt - mindestens 500 Mio. Euro kostet. Reiche Industrieländer versuchen dabei zunehmend, ihren hochgefährlichen radioaktiven Abfall in arme Länder zu entsorgen, wo die Sicherheits- und Kontrollvorkehrungen noch unzureichender sind. Dabei muss der Abfall über viele Generationen gesichert werden.

Die Atomindustrie tritt für ihre Profite Ethik und Moral mit Fü-ßen. Rücksichtslos geht sie das Risiko von Katastrophen wie in Tschernobyl und Fukushima ein und verseucht den Planeten mit Anlagen und Abfällen auf Millionen von Jahre. Ihr Handeln wird immer brutaler. Fukushima zeigt, dass der Umgang mit Millionen verstrahlter Opfer barbarische Ausmaße annimmt.

Die Stiftung ethecon fordert: Atomausstieg sofort! Weltweit! Die Nutzung der Atomenergie mit untauglichen Methoden und Mitteln widerspricht grundlegenden ethisch-moralischen Prinzipien.

Notwendig ist der Umbau der Gesellschaftsordnung weg von Egoismus und persönlichem Vorteil, hin zu einer Ökonomie, in der der Mensch tatsächlich vor Profit kommt. Das Primat des Profits muss abgelöst werden durch die Vorherrschaft der Solidarität und Völkerfreundschaft. Die Atom-Konzerne müssen unmittelbar unter demokratische Kontrolle gestellt werden.

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