„Erschüttert, erfreut und inspiriert“

Die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano wurde mit dem Internationalen ethecon Blue Planet Award 2013 geehrt - Anshu Jain und Jürgen Fitschen von der DEUTSCHEN BANK wurden mit dem Internationalen ethecon Black Planet Award 2013 geschmäht

Im Rahmen der diesjährigen Tagung von ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie hat Esther Bejarano, eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz, den Internationalen ethecon Blue Planet Award 2013 verliehen bekommen. Mit dem von der Fotokünstlerin Prof. Katharina Mayer gestalteten Preis wurde ihr jahrzehntelanger, unermüdlicher Einsatz für Frieden und gegen Antisemitismus, Rassismus und Faschismus geehrt.

„Ich war erschüttert, an Esthers Leben nachzuverfolgen, wie die Faschisten Menschen ausgrenzten, demütigten, einsperrten, folterten und vernichteten. So eine kleine zarte Frau - und soviel Gemeinheit, Hass und Verbrechen ihr gegenüber,“ sagte die Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch in ihrer Laudatio. „Ich war erfreut, weil Esther Bejarano so viele Menschen traf, die ihr halfen und damit ihr Leben retteten. ... Ich war inspiriert, weil Esther Bejarano mit ihrem Buch bei mir auch neues Nachdenken ausgelöst hat.“

Das Gegenstück zum positiven Blue Planet, der Black Planet Award, ging an die Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie weitere ManagerInnen und GroßaktionärInnen der DEUTSCHEN BANK.

Dazu sagte die bekannte Publizistin und Frankfurter Stadtverordnete Jutta Ditfurth in ihrer Schmährede: „Jain und Fitschen sind mit der DEUTSCHEN BANK verantwortlich für die Kolonialisierung der Welt. Die DEUTSCHE BANK reißt mittels Tochtergesellschaften und Fonds die strategischen Ressourcen der Erde an sich. Landraub, Landgrabbing, die Vergiftung der Erde und die Vertreibung der LandbewohnerInnen, aus deren Elend die DEUTSCHE BANK ihren Profit bezieht, in Asien, Lateinamerika und vor allem Afrika - das ist der neue Kolonialismus.“ Barbara Happe, von urgewald und dem Dachverband der Kritischen AktionärInnen, versicherte, dass der Preis den Geschmähten in einer international abgestimmten Aktion im Rahmen der nächsten Hauptversammlung der DEUTSCHEN BANK persönlich überreicht wird.

Die Verleihung der beiden internationalen ethecon Preise fand im Rahmen eines gut besuchten öffentlichen Festaktes während der ethecon Tagung „No Fracking - Kein Gift in unsere Erde!“ am Samstag, 16.11., in Berlin statt. „Auch wenn sich inzwischen die Stimmen häufen, dass die Schiefergasförderung in Europa nicht rentabel sei und die große Koalition von einem Moratorium spricht, sollten wir uns nicht darauf verlassen,“ mahnte der Tagungsreferent Andreas Fuhs. Er forderte: „Fracking in der Öl- und Gasförderung ist mit unverantwortlichen Risiken und negativen Auswirkungen verbunden. Die Gewinne aus Fracking machen die Energiekonzerne, die Schäden erleiden die Anwohner und folgende Generationen. ... Statt klimaschädliches Fracking brauchen wir die Überwindung des fossilen Energieregimes mit Energieeinsparung und Umstieg auf erneuerbare Energien.“

Bedankt hat sich Esther Bejarano anschließend mit einem Konzert mit der Microphone Mafia, in dessen Vorprogramm der Hiphopper Kern auftrat. Die fast 89-jährige meinte mit bewundernswertem Elan dazu: „Ich bin jetzt unter die Rapper gegangen. Auf der Bühne sind wir drei Generationen und drei Religionen. Wir singen gegen Faschismus und Krieg.“ Im vollbesetzten Saal begeisterte das ein Publikum zwischen 17 und 77.

Die Internationalen ethecon Blue Planet Awards ehrten in den vergangenen Jahren Diane Wilson/USA (2006), Vandana Shiva/Indien (2007), José Abreu und Hugo Chávez/Venezuela (2008), Uri Avnery/Israel (2009), Elias Bierdel/Österreich (2010), Angela Davis/USA (2011) sowie Jean Ziegler/Schweiz (2012). Die Internationalen ethecon Black Planet Awards hingegen schmähten Manager und GroßaktionärInnen der Konzerne MONSANTO/USA (2006), NESTLÉ/Schweiz (2007), BLACKWATER (XE)/USA (2008), Formosa Plastics Group/Taiwan (2009), BP/Großbritannien (2010), TEPCO/Japan (2011) und GLENCORE/Schweiz (2012).

ethecon ist im Gegensatz zu den vielen Konzern-, Familien-, Kirchen-, Partei- und Staatsstiftungen eine der wenigen Stiftungen „von unten“, die sich mit ihren derzeit 40 ZustifterInnen und dem Leitmotiv „Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung!“ in der Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen sieht. Die noch junge Stiftung finanziert sich über Zustiftungen, Spenden und Fördermitgliedschaften.

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